Hier eine etwas längere Fassung des Artikels. Die Druckversion findet sich auf der Webseite der Braunschweiger Zeitung.
Für Smartphones gibt es eine Vielzahl nützlicher und weniger nützlicher Softwareanwendungen, so genannte Apps. An der TU Braunschweig entwickelt ein Student derzeit die App "iMensa BS", die die studentische Verpflegung auf dem Campus revolutionieren soll.
In den vergangen Jahren haben „Apps“ weite Verbreitung gefunden. Die kleinen Programme für Smartphones, wie das Iphone, zeichnen sich durch besonders leichte Bedienbarkeit und lebensnahe Anwendungsbereiche aus. Die Programmpalette ist riesig: Vom Klassiker „Google Maps“, über den Fahrplandienst „Zuginfo“, den Musikerkennungsdienst „Shazam“, oder Spiele wie „Monopoly“ oder „GTA“, bis hin zu militärischen Anwendungen wie „Offender Locator“ oder „BulletFlight“. Auch der Speiseplan der Braunschweiger Mensen läßt sich, Internetzugang übers Handynetz oder ein lokales drahtloses Netzwerk vorrausgesetzt, auf dem Smartphone anzeigen. Doch bisher geht das nur über einen Browser, wie er auch auf Schreibtischcomputern verwandt wird. So richtig praktisch ist das nicht. Tobias Baube, Student der Wirtschaftsinformatik an der TU Braunschweig, will das ändern. Unzufrieden mit der Situation („die Webseite des Studentenwerks war häufig nicht verfügbar“, „in den Mensen gibt es bis heute kein drahtloses Netzwerk“, „die Auwahl zwischen den verschiedenen Mensen und Gerichten ist unübersichtlich gestaltet“) beschloss Baube eine App zu schreiben um die Verfügbarkeit der Speiseinformationen zu erhöhen und die Wahl der Mahlzeit zu erleichtern. Bei einem Besuch in Augsburg hatte Baube im vergangen Jahr einen digitalen Speiseplan für das Iphone gesehen, aber dessen „Funktionen reichen nicht aus“ sagt Baube. Seither gilt es diese und andere Apps in Funktionalität und Bedienbarkeit zu stechen. Seit mehreren Monaten arbeitet der 22jährige intensiv an dem Programm, für das er eigens eine neue Programmiersprache erlernt hat. Ursprünglich als „kleiner Praxisteil meiner Bachelorarbeit“ geplant, entwickelte es sich die Mensa-App zum „Mammutprojekt“ so Baube.Wenn Baube sich Zeit nimmt sein Projekt vorzustellen, bekommt man eine schnell eine Ahnung, wie komplex die Entwicklung und die technischen Strukturen im Hintergrund der Mensa-App sind. Neben der eigentlichen Programmierung gilt es die Speisepläne der Mensen, Preise und Inhaltsstoffe vom Server des Studentenwerks abzugreifen und auf einem eigenen Server zu transformieren und sie so für das Iphone lesbar zu machen. Erst auf dem von Baube gesteuerten Server werden die Speisepläne um Daten, wie Bewertungen der einzelnen Mahlzeiten und Filtern für Allergiker, erweitert. Diese Daten können dann gebündelt über das Internet zum Smartphone übertragen werden, wo sie langfristig gespeichert werden. „Das hat den Vorteil, dass man, während man iMensa BS benutzt, nicht mit dem Internet verbunden sein muss“ so Baube. Auch Offline kann man dann auf dem Smartphone die Hauptspeisen und Beilagen durchsuchen, Menüs bewerten, kommentieren oder, wenn das Essen besonders schmackhaft war, einen neuen Favoriten hinzufügen. Sobald man wieder mit dem Internet verbunden ist, synchronisiert das Telefon die Daten mit dem Server, Bewertungen und Kommentare werden für alle sichtbar.Das Braunschweiger Studentenwerk zeigt sich erfreut über die Bemühungen des Studenten, weil die Mensa-App „seriös gemacht und professionell gestaltet ist“ so Petra Syring, Sprecherin des Studentenwerks, auf Anfrage dieser Zeitung. „Wichtig war dem Studentenwerk dabei, die Rückmeldungen der Studierenden über die App selbst einsehen zu können“, um „Rückschlüsse über die Akzeptanz neuer Gerichte zu ziehen“ so Syring weiter. Die Anwendung kann, sobald sie Verbreitung gefunden hat, großen Einfluss auf das Essverhalten der Studierenden haben und damit die Mensen in Ihrem Angebot näher auf Kundenwünsche ausrichten. Programmierer Baube demonstiert mögliche Auswirkungen an einem Beispiel: Die Beilage „pikanter Fleischsalat“ beinhaltet gleich vier angebungspflichtige, augenescheinlich ungesunde Inhaltsstoffe, „da überlegt man zweimal, welches Menü man wählt.“Schon im kommenden Semester soll "iMensa BS" verfügbar sein, doch zuvor will Baube die Software in einem Feldversuch erproben. „Da die Software über den offiziellen 'AppStore' vertrieben werden soll, muss auch Betreiber Apple der Veröffentlichung zustimmen“, erklärt Baube, „das kann schon mal ein paar Wochen dauern“. Dann erst kann die App offiziell von jedermann heruntergeladen werden. Funktionieren soll die App für alle 11 Mensen und die Cafeterien des Studentenwerk Braunschweig. Für die Nutzung an TU und HBK wird die Software kostenfrei sein, für die anderen Standorte soll die App einmalig 79 Cent kosten.
für die Braunschweiger Zeitung, Mittwoch, 09.06.2010, Artikel auf der Webseite der Braunschweiger Zeitung

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