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Zwischen Zukunft und Zugluft

Überall wird gebaut, doch der Sanierungsstau ist immer noch immens

Regen tropft durch Dächer, kalter Wind zieht durch undichte Fenster oder rissige Fassaden. Toiletten sind in schaurigem Zustand. Brandschutz- und Alarmierungseinrichtungen sind veraltet. Das ist die Sachlage an vielen deutschen Bildungseinrichtungen.

Die Bundesregierung möchte Abhilfe schaffen und investiert in diesem Jahr 6,5 Milliarden Euro in Bildung. Das Geld kommt aus dem zweiten Konjunkturpaket, das der Koalitionsausschuss der alten Bundesregierung Anfang des Jahres geschnürt hat.

Welche Einrichtung wie viel erhält, bestimmt das jeweilige Bundesland. In Niedersachsen wurden in den vergangen Monaten fast 100 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket 2 an Hochschulen verteilt.

Die drei Braunschweiger Hochschulen erhalten zusammen knapp 15 Millionen Euro, die sie, nach Vorgabe des Landes, ausschließlich in Sanierungsmaßnahmen investierten müssen. Der TU wurde mit 10,5 Millionen Euro am meisten bewilligt. Damit finanziert sie Dach- und Fenstererneuerungen sowie die Sanierung von Hörsälen.

Unter anderem wird das Audimax-Gebäude mit seinen beiden Hörsälen für knapp 5 Millionen Euro teilsaniert. "Gerne hätten wir das Audimax auch energetisch saniert, das Foyer und die Toiletten modernisiert" sagt Jürgen Hesselbach, Präsident der TU. Dafür hätte er die Summe sogar mit Haushaltsmitteln aufgestockt. Doch das scheitert am Vergaberecht: Aufträge über 5 Millionen Euro müssen europaweit ausgeschrieben werden.

Eine langwierige Ausschreibung steht allerdings im Widerspruch zum Grundgedanken des Konjunkturpakets. Denn nach Direktive des Landes muss das Geld möglichst schnell investiert werden.

Das jährliche Instandhaltungsbudget der TU beträgt 2 bis 3 Millionen Euro. Diese reichen nicht aus, um die teilweise sehr alten Gebäude auf dem Campus intakt zu halten.

Natürlich freue man sich da über 10 Millionen mehr, doch gemessen an dem was man brauchte, um die Universitätsgebäude vollständig instand zu setzen, sei das nicht viel, so Hesselbach. Der Sanierungsstau beläuft sich auf rund 150 Millionen Euro.

Auch an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) besteht auch nach den Investitionen aus dem Konjunkturpaket II noch "Sanierungsbedarf in nicht unerheblichem Umfang", so HBK-Sprecher Jesco Heyl. Die HBK hat 57 Sanierungsmaßnahmen beim Land beworben. Die fünf notwendigsten wurden bewilligt und werden nun mit Geldern aus dem Konjunkturpaket durchgeführt.

Einzig die Ostfalia (Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel), schiebt keine Sanierungsarbeiten vor sich her. Sie bewarb sich mit drei Maßnahmen im Umfang von 3 Millionen Euro. Diese wurden bewilligt.

Niedersachsens Landesregierung nennt die Zuweisungen aus dem Konjunkturpaket "Zukunftsinvestitionen". Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält in einer aktuellen Studie dagegen: "Die jeweiligen Maßnahmen müssen klar als Erhaltungsmaßnahmen bezeichnet werden".

Diese seien zwar grundsätzlich sinnvoll, doch da sie "keinen Einfluss auf die Qualität des Bildungssystems" hätten und von ihnen "keine Wachstumseffekte ausgehen" stellen sie auch "keine Zukunftsinvestitionen" dar. Überdies deute die "ausgeprägte Fokussierung auf Erhaltungsinvestition auf erhebliche Versäumnisse hin", so die Studie.

Ralf Reischwitz vom Allgemeinen Studierendenausschuss der TU formuliert seine Kritik härter: "Das Land Niedersachsen kommt seit Jahren als Eigentümer der Gebäude seiner Unterhaltungspflicht nicht nach."

Die dauerhafte Unterfinanzierung der Hochschulen ist längst zu einem strukturellen Problem geworden. Die Millionen Euro, die nun für die Baumaßnahmen verwendet werden, können den "Verfall der Gebäude vermindern, aber keinesfalls stoppen", so Reischwitz.

Massivere Probleme stehen den Braunschweiger Hochschulen noch bevor: Der erwartete Anstieg der Studierendenzahlen durch den doppelten Abiturjahrgang 2011 in Niedersachsen und einigen anderen Ländern wird neben der räumlichen Überlastung auch die Betreuungsrelation verschlechtern.

Dann sollte es zumindest nicht auch noch durchs Dach regnen.

für die Braunschweiger Zeitung, Mittwoch, 11.11.2009, Artikel auf der Webseite der Braunschweiger Zeitung

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Ideen- und Textklau – das ist gar nicht lustig

Wie Hochschulen sicherstellen wollen, dass eine eigene Arbeit auch wirklich eine eigene Leistung ist

Bald wird man an deutschen Hochschulen keine Arbeit mehr ohne obligatorische Echtheitserklärung abgeben können. Dabei handelt es sich um eine eidesstattliche Versicherung. Darin erklären Studenten, dass sie eine Arbeit selbstständig verfasst und alle Hilfsmittel in der Arbeit auch erwähnt haben.

Eine solche Erklärung muss jeder Hausarbeit, die zum Beispiel im Englischen Seminar der TU Braunschweig abgegeben wird, beigefügt werden. Andere Institute verlangen ihren Studenten ähnliche Beteuerungen ab, da es in Zeiten von Google und Wikipedia immer einfacher wird, sich Hausarbeiten aus dem riesigen elektronischen Textfundus des Internets zusammenzustehlen.

An sich ist Plagiieren, also die Übernahme geistigen Eigentums, nicht verboten, doch an Schulen und Hochschulen verstößt es gegen Prüfungsordnungen.

Außerdem geht der Ideen- und Textklau oft mit Urheberrechtsverletzung des wahrhaftigen Autors einher. An Hochschulen lassen sich mindestens zwei Typen von Plagiaten unterschieden: Diejenigen, bei denen Texte – wissentlich oder aus Versehen – ungenannt paraphrasiert und jene, bei denen ganze (Ab-)Sätze aus fremden Werken übernommen werden. Letztere gehen meist mit Brüchen im Stil oder widersprüchlichen Formulierungen einher – und wecken so das Misstrauen des Lesers. Ist dieser aufmerksam geworden, lassen sich aus dem Internet kopierte Textstellen schnell ausfindig machen.

Viele Institute der TU entdecken einfache Plagiate gar mit Hilfe der EDV: Sie verlangen von Studenten die Abgabe der Arbeiten in digitaler Form. Diese lassen sich direkt in eine Software einspeisen, die Übernahmen fremder Texte aus dem Internet aufspürt.

Solche Programme sparen den Dozenten, die früher ganze Tage auf Plagiatsrecherche verwenden mussten, jede Menge Zeit.

Eine Software zum Aufspüren von Plagiaten, Docoloc, wurde an der TU Braunschweig im Rahmen einer Doktorarbeit entwickelt. Mit Hilfe der Datenbasis der Suchmaschine Google vergleicht das Programm eine eingespeiste Hausarbeit mit bereits im Internet veröffentlichten Texten. Bücher und Aufsätze aus Bibliotheken bleiben bei der Recherche mit Docoloc jedoch unbeachtet.

Die Vorkontrolle durch die Software liefert aber auch bei Treffern keine sicheren Befunde. Deshalb ist eine manuelle Nachkontrolle geboten, um zu einer fairen Beurteilung im Sinne aller ehrlichen Studierenden zu kommen. Prof. Rolf Nohr vom Institut für Medienforschung an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig vertraut bei der Plagiatsrecherche nicht auf Software. Er beschränkt sich, bei Verdacht, auf Stichproben. Ein Drittel der bei ihm eingehende Arbeiten untersucht Nohr gezielt auf plagiierte Textstellen.

Doch längst nicht alle Plagiate werden gefunden. Das Übersetzen fremdsprachlicher Aufsätze beispielsweise gilt als vergleichsweise sichere Betrugsmethode, denn für die Software ist es durch einen Sprachwechsel unmöglich, plagiierte Textstellen aufzufinden.

Für Dozenten wird es dadurch, je nach Sprachkenntnis, zumindest aufwendiger. Zentrale Statistiken über das Auftreten von Plagiaten gibt es nicht. Viele Fälle, so vermutet Nohr, würden zwischen Missetätern und Prüfern diskret geklärt, denn "nicht nur für den fälschenden Studenten ist das eine peinliche Angelegenheit".

Manche Kollegen missverstünden Plagiate als Abwertung ihrer Lehre, so Nohr. So bemühen sich auch nicht alle Dozenten, Plagiate ausfindig zu machen. Denn findet man eine plagiierte Textstelle, kann das viel Arbeit verursachen. Will ein Dozent den häufig angedrohten Weg gehen, den Täuschungsversuch mit der Zwangsexmatrikulation, also dem Ausschluss aus der Hochschule, zu ahnden, steht ein langwieriges Verfahren bevor.

"Ein Dozent kann die Angelegenheit an die Prüfungskommission des jeweiligen Fachs weiterreichen. Diese kann der Hochschulleitung dann eine Exmatrikulation des Delinquenten empfehlen", beschreibt Nohr. Die Abgabe einer plagiierten Hausarbeit jedoch gilt in vielen Prüfungsordnungen nicht als Exmatrikulationsgrund. "Das ist streitbar, denn die Exmatrikulation kann immer angefochten werden." räumt Nohr ein.

Die Ursachen für das gehäufte Auftreten von Plagiaten sieht Nohr auch im rigiden und auf permanente Benotung ausgelegten Bachelor-Master-System: "Studierende stehen unter höherem Effizienzdruck als früher, wollen mit minimalem Aufwand maximale Effekte erzielen".

Am Ende ist das Plagiat aber kein Produkt des Systems, sondern des Einzelnen. Hinter jedem Plagiat steht auch Misstrauen sich selbst gegenüber – und Mangel an Mut, eigene Ideen zu entwickeln.

für die Braunschweiger Zeitung, Mittwoch, 08.07.2009, Artikel auf der Webseite der Braunschweiger Zeitung

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„Von gebührenfreien Ländern eingekreist“

Wie die HBK den Wettbewerbsnachteil ausgleichen will – Antworten von Dezernats-Leiter Lutz Röttger

Die Fragen an Lutz Röttger, Leiter des Dezernats für Akademische Angelegenheiten der HBK, stellte Campus-Mitarbeiter Robert Schulz.

Hängt der Rückgang der Studierenden- und Bewerberzahlen, gerade in der Freien Kunst, mit den Studiengebühren zusammen?

Der Rückgang der Studierenden- und Bewerberzahlen in den künstlerischen Fächern hängt auch mit der Erhebung von Studienbeiträgen in Niedersachsen zusammen.

Eine entsprechende Befragung von Studienbewerbern 2008 für Freie Kunst/Kunstvermittlung hat ergeben, dass ungefähr ein Drittel die Erhebung von Studienbeiträgen als Entscheidungskriterium bei der Studienortswahl einbezieht. Es ist aber davon auszugehen, dass die Wahl des Studienortes von verschiedenen Faktoren bestimmt wird.

Zwischen Braunschweig und HBK gibt es einen "Imagetransfer", das heißt, die Stadt kann ihre Attraktivität für Studenten und junge Künstler noch deutlich verbessern, was in letzter Zeit auch erfreulicherweise angegangen wird. Hier sind zum Thema Studienortwahl aber weitere Befragungsergebnisse abzuwarten, und auch auf bundesweite Studien kann verwiesen werden.

Wie gleicht die HBK den Wettbewerbsnachteil Studiengebühren aus?

Auch in anderen Bundesländern werden Studienbeiträge erhoben, von denen beispielsweise die Kunsthochschulen in Karlsruhe, Stuttgart, Saarbrücken, München und Münster betroffen sind. In diesen Bundesländern sind die Studienbeiträge Gesetz, die Hochschulen sind also zur Erhebung verpflichtet.

Für uns in Braunschweig gibt es die Problematik, dass wir von gebührenfreien Bundesländern – und Kunsthochschulen – umkreist sind, also etwa die Universität der Künste Berlin eine große Konkurrenz darstellt. Für Bewerber aus angrenzenden Regionen könnte sich also eine benachbarte Hochschule als kostengünstigere, nicht qualitativ bessere, Alternative darstellen.

Die HBK versucht, die Sozialverträglichkeit der Studienbeiträge zu verbessern. Präsidentin Barbara Straka, nimmt hierzu eine aktive Haltung in der Landeshochschulkonferenz ein.

Darüber hinaus versucht die HBK, die Wettbewerbsnachteile durch eine transparente und mit den Studierenden gemeinsam erarbeitete Verwendung der Studienbeiträge zu kompensieren. Sie können also aktiv mitbestimmen, wofür das Geld ausgegeben wird.

Außerdem werben wir überregional

mit gezieltem Hochschul- und Studierendenmarketing sowie mit besonderen Angeboten für die künstlerischen Studiengänge – zum Beispiel dem "Studien-Info-Tag" am heutigen Mittwoch oder dem "Frühstart Kunst" für Bewerber ab 16 morgen und übermorgen.

für die Braunschweiger Zeitung, Mittwoch, 28.01.2009, Artikel auf der Webseite der Braunschweiger Zeitung

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Wenn dich die Muse küsst - Gebühren

Das Beste draus machen: An der HBK glaubt man nicht mehr an eine Abschaffung der Studien-Beiträge

500 Euro mehr pro Semester müssen Studenten in Niedersachsen seit 2006 an ihre Hochschule zahlen. Die so genannten Studiengebühren werden auch an der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste (HBK) erhoben. Sie ist eine von wenigen Kunsthochschulen in Deutschland, an denen man derart zur Kasse gebeten wird.

Während die Einführung von Studienbeiträgen, wie es offiziell heißt, von Kultusminister Lutz Stratmann als "einmaliger Erfolg" gefeiert wird, fragt man sich an der HBK, wie die Kunstfreiheit – ein verfassungsmäßiges Grundrecht – mit Gebühren zu vereinbaren ist. Einengung des künstlerischen Gestaltungsraums und soziale Ungerechtigkeit reichen als juristische Argumente nicht aus, sich gegen die Studiengebühren zur Wehr zu setzen.

An der Hochschule glaubt niemand mehr an eine Abschaffung der Studiengebühren. Auch eine Ausnahme für die einzige Kunsthochschule des Landes zu erstreiten, scheint aussichtslos. Bertram Schmidt, Student an der HBK, bereitet dennoch eine Klage gegen Studiengebühren vor. Finanzielle Unterstützung wurde ihm vom Studierendenparlament verwehrt. Ein Erfolg der Klage sei unwahrscheinlich, hieß es im Ablehnungsbescheid.

"Die Studenten haben sich mehrheitlich gegen Studiengebühren ausgesprochen, doch solange es sich um rechtsgültige Vorgaben des Landes handelt, streiten wir für die sinnvolle Verwendung", sagt Eike Carstens, Mitglied des Studierenden-Parlaments der HBK.

Carstens setzt sich mit anderen für mehr Stellen für studentische Mitarbeiter, längere Bibliotheksöffnungszeiten und die Förderung studentischer Projekte aus Studiengebühren ein. "Wir sind bestrebt, Studien-Finanzierungsmöglichkeiten und die allgemeinen Bedingungen zu verbessern" so Carstens.

Im vergangenen Jahr suchte die Hochschule nach Möglichkeiten, die Gebühren an die Studenten zurückzuführen. Die Leitung plante, umfangreiche Stipendien zu vergeben. Doch eine Vollversammlung sprach sich dagegen aus: "Dem Studenten stellt sich die Frage, wofür er eigentlich arbeiten geht, wenn er durch die Studienbeiträge statt der Verbesserung seines Studiums ausgewählte Kommilitonen finanziert", begründet Studierendenvertreter Andi Weich die Ablehnung der Stipendien.

Stattdessen konnte sich eine Studienabschlussförderung durchsetzen: Wer bei Abschluss seines Studiums eine gute Gesamtnote schafft, erhält eine Förderung von 300 bis 500 Euro.

In Zusammenarbeit zwischen Studenten, Lehrenden und Hochschulleitung wird die Verwendung der Mehreinnahmen durch die Gebühren geplant. So wurden Info-Materialien und Werbeveranstaltungen aus Studiengebühren gezahlt. Aber auch die Ausstattung wurde verbessert; fast 30 000 Euro wurden im vergangen Semester in die Renovierung des Zeichensaals an der Broitzemer Straße investiert. Ein Onlineshop und das Projektbüro "Für und Mit" wurden ebenfalls aus Studiengebühren finanziert. Tutoren und Mitarbeiterstellen konnten neu geschaffen werden, außerdem können sich die Künstler mehr Materialkosten erstatten lassen.

Die Bewerberzahlen, gerade in dem Vorzeigefach der HBK, der Freien Kunst, gingen im letzten Jahr deutlich zurück: Während im Wintersemester 2006 noch 39 Freie Künstler ein Studium an der HBK aufnahmen, gab es im laufenden Semester nur 21 Neuzugänge.

Shantala Fels, studentische Vertreterin in der Studienkommission, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Studierendenzahlen und den Gebühren: "Natürlich entscheiden sich Studierende die an mehreren Kunsthochschulen angenommen werden, eher für ein gebührenfreies Studium, also gegen die HBK."

für die Braunschweiger Zeitung, Mittwoch, 28.01.2009, Artikel auf der Webseite der Braunschweiger Zeitung

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